Alle Mütter und Väter wollen, dass es ihren Kindern gut geht und sie gesund und unbeschwert aufwachsen. Dazu gehört natürlich auch eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Doch so bald die angerichteten Speisen nicht süß sind, treten viele Kinder in den Hungerstreik oder üben sich im weit Spucken. Da können tägliche Familienmahlzeiten schon ganz schön in Stress und Machtkämpfe ausarten.

Unsere Tochter bspw. isst am Liebsten nur Nudeln, Kartoffeln oder Brot – “ohne Soße!” und auf jeden Fall ohne eine Form von Beilage wie Gemüse. Ein paar Sachen wie Tomate und Gurke isst sie, aber so bald das Gemüse gekocht oder in sonst irgendeiner Form zubereitet ist, verschmäht sie alles hartnäckig. Von daher startet nun das Projekt “Mein Kind liebt Gemüse!” 🙂

Was können wir nun also tun, damit unsere Kinder – ab sofort – ihr Gemüse lieben werden?!

Vorbild, Vorbild, Vorbild!

In allererster Linie nützt es nichts, wenn ihr euch selbst nicht mit ausreichend Gemüse ernährt, aber euren Kindern zum Abendessen die Rohkost vorsetzt. Wenn Eure Kinder noch nie und vor allem nicht regelmäßig sehen, dass ihr “solche Sachen” auch esst, werden sie auch nicht einsehen, warum sie denn Gemüse essen sollten. Und dabei reicht es leider nicht, wenn ihr mit dem gesunden Leben anfangt, wenn das Kind 3 oder 4 Jahre alt ist. Denn Kinder werden in ihrer Ernährungsweise schon mit der Muttermilch für ihr gesamtes Leben geprägt und nehmen euch immer als Vorbilder.

Auf keinen Fall unter Druck setzen!

Ihr könnt es nicht erzwingen und auch Verhandlungen helfen wenig, damit eure Kinder das Gemüse gerne essen. Sätze wie “Wenn du das auf isst, darfst du nachher auch Fernsehen” oder “Du darfst nicht eher aufstehen bis du das aufgegessen hast!” zwingen die Kinder zu etwas, was sie nicht wollen. Die Folge sind Druck und negative Gefühle in Verbindung mit gesundem Essen. Dann werden sie auch als Erwachsene nie gern Gemüse essen oder müssen durch einen langen Lernprozess und das wollen wir ja gerade nicht. Und denkt einmal daran, wie es euch geht, wenn euch jemand zu etwas zwingt? Ihr reagiert wahrscheinlich auch als Erwachsener noch mit Ablehnung und Trotz. Also, warum sollten es unsere Kinder anders machen?! 🙂

Gesund essen ist nichts Besonderes

Macht aus dem Essen kein Riesenevent und auch um das Gemüse kein großes Brimborium. Selbst wenn ihr extra etwas für die Kinder kauft oder zubereitet, sollten sie das möglichst nicht bemerken oder gesagt bekommen. Zum einen setzt es sie noch mehr unter Druck und zum anderen lernen sie, dass es etwas Besonderes ist, wenn sie einmal Gemüse essen. (Und das können sie später gegen euch verwenden. Ihr glaubt gar nicht, wie gut eine Dreijährige schon verhandeln kann 🙂 ) Das Gemüse wird genauso wie alles andere auf den Tisch gestellt und dann wird gegessen. Fertig!

Wir haben außerdem mit unserer Tochter einen Deal abgeschlossen: das Essen wird wenigstens einmal probiert und wenn es ihr absolut nicht schmeckt, dann darf sie es wieder ausspucken. Aber das muss natürlich jeder selbst entscheiden…

Was der Bauer nicht kennt…

…das isst er auch nicht. Lasst eure Kinder bei der Zubereitung helfen, so weit dies möglich ist und mit der nötigen Vorsicht. Sie sollen sehen und verstehen, wie das Gemüse im ursprünglichen Zustand aussieht und wie man es zubereitet. Und wenn sie nur im Topf mit den kochenden Kartoffeln ein bisschen rühren. Sie werden stolz darauf sein, das Abendessen selbst zubereitet zu haben und dann werden sie es zumindest auch einmal probieren wollen.

Noch besser ist es, wenn ihr eine Möglichkeit habt, das Gemüse selbst anzubauen im eigenen Garten, auf dem Balkon oder im Blumentopf. Eure Kinder dürfen die Saat in die Erde stecken, sie dürfen gießen und sehen wie alles wächst und schließlich dürfen sie das Gemüse ernten. Ihr werdet sehen, wie stolz eure kleinen Bauern auf ihr selbst geerntetes Gemüse sein werden.

Manchmal hilft es auch den Zustand des angebotenen Gemüses zu ändern. Mag euer Kind kein rohes Gemüse? Dann probiert es doch einmal gekocht. Oder umgekehrt. Viele Kinder mögen kein gekochtes Gemüse, dafür essen sie aber alles problemlos in rohem Zustand. Und schließlich könnt ihr auch probieren, das Ganze zu einem grünen Smoothie zu vermixen. Bei einem grünem Smoothie wird 1/3 grünes, rohes Gemüse mit 1/3 süßem Obst wie Äpfel, Bananen oder Kiwis und 1/3 Wasser in einem Hochleistungsmixer püriert. Sehr lecker und gesund.

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© pixabay.com

Das Auge isst mit!

Wenn Ihr das Gemüse einfach nur klein schneidet in Streifen oder Würfel und roh oder gekocht auf einen Teller legt, dann essen manche Kinder auch das. Aber die meisten werden es wohl verschmähen. Wenn ihr Glück habt, dann probieren sie wenigstens mal ein bisschen. Also ist eure Kreativität gefragt beim Anrichten des Gemüses oder Obstes. Ihr könnt Gemüse wie Kartoffeln, Möhren oder Pastinaken zu kleinen Pommes Frites zurecht schneiden und sie dampfgaren oder kochen. Oder sie erst in ein bisschen Öl (Rapsöl oder Sonnenblumenöl) und dann in Speisestärken wenden und anschließend im Backofen backen bis sie gar sind (je nach Gemüse und Größe der Sticks 10-20 Minuten).

Viel Begeisterung habe ich auch für meinen Gemüseigel geerntet. Dabei einfach viel buntes Gemüse wie Möhren, Zucchini, Kürbis, Gurke, Cherrytomate etc. in mundgerechte Stücke schneiden und in einem bunten Mix roh oder gegart auf kleine Spieße stecken. Dann auf einem kleinen Brot feststecken. Ihr könnt das Ganze auch mit kleinen Mozarellakugeln mixen (als Nasenspitze des Igels). Das Prinzip funktioniert natürlich auch mit Obst.

Kürbisigel

© Daniela Janke

Dabei hilft es auch, wenn euer Kind ein eigenes hübsches Kindergeschirr hat, das es vielleicht sogar selbst ausgesucht hat. Und das alte Spiel “Lass uns mal so viel vom Teller essen, bis wir sehen können, welches Bild sich darunter versteckt” funktioniert auch immer noch. Eine Auswahl an schönem Kindergeschirr findet ihr hier.

Eine sich selbst erfüllende Prophezeiung

Eure Einstellung zum Essverhalten eurer Kinder spiegelt sich auch direkt im tatsächlichen Essverhalten wider. Das heißt im Klartext: wenn ihr zu euren Kindern oder auch nur im Beisein eurer Kinder zu Dritten Sätze sagt wie “Klara isst nie Gemüse” oder “Henry isst immer nur Nutellabrot”, dann werden sich Klara und Henry auch daran halten. Besser funktioniert positives Denken. “Klara isst gern gedünstete Möhren” Und auch wenn die Kleine sie nur einziges Mal probiert hat, wird sich irgendwann dieses positive Denken auch auf eure Kinder übertragen.

Storytelling

Bei ganz hartnäckigen Verweigerern müsst ihr tief in die Trickkiste greifen. Gebt den Gerichten neue Namen und lasst spannenden Geschichten darum ranken. Erbsen werden zu Zauberperlen, die Möhre zum Zauberstab, die Gemüsesuppe zum Helden- oder Zaubertrank und euer Kind ist der Ritter, der mit Hilfe dieser Zauberzutaten die schöne Prinzessin aus ihrem Verlies befreien kann…  Manche Gemüsesorten wie Kartoffeln, Möhren oder Kürbis lassen sich auch zu Märchenfiguren und -Gegenständen formen. Ein kleines Schloss aus einer Kartoffel, ein Zauberwald aus Zucchini und eine hübsche Prinzessin aus Kürbis.

Dies ist natürlich die schwierigste Form, aber es hilft für den Anfang, um den Widerstand der kleinen Verweigerer aufzuweichen. Und irgendwann merken sie, dass Gemüse eigentlich doch ganz lecker ist.

In diesem Sinne, wünsche ich euch viel Erfolg und gute Nerven (bitte aber keine Schokolade als Nervennahrung 🙂 )

 

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2 Kommentare
  1. Lisa
    Lisa sagte:

    Wenn man Kinder an Gemüse heranführen möchte, dann ist Fun-Food eine sehr gute Möglichkeit. Besonders gut funktioniert es, wenn man zusammen mit den Kinder einkauft und sie in den Prozess mit einbezieht. Zusammen entstehen dann kindgerechte Köstlichkeiten, die Ihr Kind mit Sicherheit lieben wird. Gutes Gelingen und viel Spaß! Lisa

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    • Herzzucker
      Herzzucker sagte:

      Hallo Lisa,
      vielen Dank für deinen Beitrag. Das haben wir direkt am Wochenende ausprobiert und aus unserem Gemüse gemeinsam ein Prinzessinnenmärchen geschnitzt mit kleinen Kronen, Zauberstäben, einem Schloss und einer Prinzessin 🙂
      Das hat mir und meiner Tochter viel Spaß gemacht!

      Antworten

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