Beiträge

In den Medien, der Forschung und der Literatur machen sich viele schlaue Menschen Gedanken darüber, wie Eltern ihre Kinder aufziehen sollten. Wie können wir unsere Kinder in ihrer Entwicklung kindgerecht unterstützen, ohne sie zu überfordern; behüten, ohne zu helicoptern; optimal ernähren; welcher Kindergarten, welche Schule etc. etc. Die Liste ist unendlich lang. Ich möchte heute aber auf einen anderen Aspekt hinaus: wie gut müssen wir als Eltern uns um uns selbst kümmern, um unseren Kindern möglichst lange und gesund erhalten zu bleiben? Bzw. kann ich von meinem Partner verlangen, gesund zu leben, um für seine Kinder sorgen zu können?!

Diese Frage hat verschiedene Hintergründe:

  1. Lebensverlängernde Maßnahmen

Jeder würde sofort zustimmen, dass Drogen, gefährliche Sportarten oder zu schnelles Motorradfahren unverantwortlich ist gegenüber seinen Mitmenschen, aber vor allem auch für die eigene Familie. Stirbt ein Elternteil, bedeutet dies Verlust und u.U. ein Trauma für die Kinder, ein fehlendes Elternteil, das niemand ersetzen kann für den Rest des Lebens und für den verbleibenden Partner, dass er fortan alleinerziehend ist.

Außerdem weiß jeder, dass Rauchen, zu viel Alkohol und Fast Food, wenig Sport, Stress usw. keine guten Voraussetzungen für ein langes und gesundes Leben sind. Es gibt natürlich keine Garantie, aber die Chancen stehen mit lebensverlängernden Maßnahmen wie gesunder Ernährung, Sport und ausreichend Schlaf wesentlich besser, bis ins hohe Alter gesund und fit zu bleiben.

Wie viel Verantwortung haben wir nun also unseren Kindern (auch uns selbst und unserem Partner) gegenüber, möglichst viele der lebensverlängernden Maßnahmen umzusetzen?!

Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass jeder so leben soll wie er es für richtig hält, so lange er andere nicht in ihrer Lebensqualität stört. Aber wenn Eltern “ungesund” leben, kann dies ihre Kinder beeinträchtigen. Die Eltern können früher sterben und ihre Kinder nicht mehr unterstützen. Auch wenn die Kinder schon erwachsen sind und selbst Kinder haben, sind sie ja immer noch auf ihre eigenen Eltern angewiesen. Mal mehr, mal weniger: das reicht von finanzieller Unterstützung über Ratschläge und Gespräche bis hin zu Hilfe als Babysitter, Ferienbetreuung, mal die Wäsche machen. Natürlich kommt man auch ohne elterliche Hilfe klar, aber es lebt sich leichter mit.

Statistisch gesehen leben Männer in Deutschland 5 Jahre weniger als ihre Frauen. Die aktuelle Lebenserwartung der Frauen beträgt 82,99 Jahre, während Männer nur 78,13 Jahre leben. (In Russland beträgt dieser Unterschied fast 12 Jahre.)

Zum einen sind Frauen genetisch im Vorteil, weil das Hormon Östrogen sie vor Herz-Kreislauferkrankungen schützt und sie weniger anfällig sind für entartetes Zellwachstum (Krebs). Dies macht aber nur einen kleinen Teil der unterschiedlichen Lebenserwartung aus. Nämlich ungefähr ein Jahr. Dies hat man in der Klosterstudie herausgefunden, bei der Mönche und Nonnen parallel zur Gesellschaft untersucht wurden. Deren Leben ist geschlechterunabhängig nahezu identisch und frei von äußeren schädlichen Einflüssen.

Zum anderen liegt die geringere Lebenserwartung der Väter in Faktoren des Lebenswandels begründet: Männer rauchen mehr, sie trinken häufiger Alkohol, neigen zu ungesundem Essen, haben aber auch öfter gefährliche oder stressige Berufe wie Feuerwehrmann oder Polizist und leben ganz generell riskanter (in 2014 waren 74,3% aller Verkehrstoten männlich und nur 25,7% weiblich). In Summe sorgen diese Umstände dafür, dass Väter ihren Kindern weitere 4 Jahre nicht zur Verfügung stehen.

Schlimm wird es darüber hinaus, wenn Eltern sogar zum Pflegefall werden, dann sind wir nicht nur keine Hilfe, sondern auch noch eine Belastung für unsere Kinder. Das will auch keiner.

Aber es reicht schon, wenn wir so weit körperlich beeinträchtigt sind, dass wir zum Beispiel nicht mit radfahren, toben, rennen oder klettern können, weil wir eventuell stark übergewichtig sind oder durch das Rauchen keine Kondition und Ausdauer haben. Schon bei so banalen und alltäglichen Dingen beeinträchtigt unsere eigene Gesundheit das Leben unserer Kinder.

Und dann gibt es noch die überengagierten Eltern, die sich jederzeit für ihre Kinder aufopfern, zu jeder Tages- und Nachtzeit für ihre Kinder da sind, kochen, basteln, putzen, die Kinder vom Schwimmen zum Tanzen zum Musikunterricht fahren und ganz nebenbei für den ganzen Spaß auch noch genug Geld verdienen müssen. Diese Eltern sollten bedenken, dass sie ihren Kindern keine Hilfe sind, wenn sie mit Burnout über Monate ausfallen. Denn dann stehen sie ihrer Familie von heute auf morgen nicht mehr zur Verfügung und das ganze Kartenhaus bricht zusammen. Da ist es manchmal ratsam lieber ein paar Schritte kürzer zu treten, mal eine Pizza in den Ofen zu schmeißen, die Wäsche Wäsche sein zu lassen und sich mal zu erholen, ausschlafen, zum Sport oder ins Kino gehen und den Akku wieder aufzuladen.

2. Vorbild

Nicht vergessen sollten wir außerdem, dass wir in allem was wir als Eltern tun, auch Vorbild für unsere Kinder sind. Der Vater, der nur schuftet, sich von seinem Chef ausbeuten lässt und keine Zeit für die Familie hat, färbt genauso auf seine Kinder ab wie die Mutter, die sich für ihre Kinder aufopfert, sich selbst vernachlässigt und sich vielleicht von ihrem Mann schlecht behandeln lässt. (Klischee-Warnung, ich weiß…) Wenn wir uns nicht selbst pflegen, gesund ernähren, Sport treiben, wie sollen es dann unsere Kinder lernen?!

Unterm Strich schraubt das natürlich die Ansprüche an uns Eltern wieder ein Stück nach oben. Jetzt muss ich mich nicht nur um die Kinder, den Partner, Haushalt, Job und Hund kümmern, sondern auch noch um mich selbst!?! Aber letztlich lohnt sich der Aufwand, für einen Akku, der immer mal wieder aufgeladen wird, dafür lange für seine Kinder, Enkel und Urenkel da sein zu können, für ein stabiles Lebensgerüst, das nicht nur auf der Säule Elternschaft oder Job basiert und schließlich: wenn man an seinem Lebensabend zurückblickt und sagen kann: Ich war auch noch ich, ich habe gelebt!

Noch eine kleine Anmerkung zum Schluss: Bei all diesen Überlegungen möchte ich niemanden verurteilen oder kritisieren. Jeder soll nach seiner Fasson leben, aber vielleicht wird der eine oder andere zum Nachdenken angeregt.

 

Meine Tochter war schon immer sehr freiheitsliebend. So lange es nicht darum geht, sich am Morgen zügig selbst anzuziehen, damit wir pünktlich in den Kindergarten kommen, möchte sie alles alleine machen. Alleine nach Hause gehen oder zu Oma und Opa, alleine mit dem Fahrrad ein Stück fahren usw. Ich kann mich noch gut an eine bestimmte Situation vergessen. Sie war fast 3 Jahre alt (aber noch 2!) und wir waren mit dem Womo in Schweden im Urlaub. An einem schönen Herbstabend haben wir eine verlassene Burgruine gefunden und dort gerastet. Nach einer kleinen Erkundungstour wollte sie partout alleine zurück zum Auto laufen, durch die fast dunkle und menschenleere Burg, über eine Wiese und durch einen Wald. Ich sollte auf der anderen Seite der Burg warten bis sie mir ein Zeichen gibt, dass ich loslaufen darf. Das ist mir natürlich sehr schwer gefallen, zumal ich sie in der Burg überhaupt nicht sehen konnte. Auf der anderen Seite war ich total fasziniert von ihrem Mut und ihrer Selbstständigkeit. Seit dem gab es noch viele dieser Situationen, kleine und große. So bald sie sprechen konnte, haben wir ihr ihren Namen und ihre Adresse eingetrichtert und was sie tun soll, wenn sie irgendwo verloren geht. So bekomme ich in Einkaufszentren jedes Mal zu hören: “Mama, das ist doch nicht schlimm, wenn ich mich verlaufe. Dann gehe ich zu einem Erwachsenen und bitte um Hilfe.” Solche Aussagen beruhigen mich zwar ein wenig, aber es gibt ja auch Menschen mit bösen Absichten. Vor denen möchte ich sie natürlich auch beschützen, ohne ihr ein übermäßiges Misstrauen gegen alle Fremden zu vermitteln

Um so größer sie wird (jetzt ist sie 4), um so mehr Freiheiten und Alleingänge möchte sie unternehmen. Natürlich wird sie auch immer selbstständiger, kann Situationen, Menschen und Straßen besser einschätzen. Trotzdem würde ich mich wohler fühlen, wenn ich ein bisschen mehr Kontrolle über sie hätte. Mit der modernen Technik ist das eigentlich kein Problem mehr, GPS Tracker für Kinder gibt es inzwischen in allen Größen und Farben.

gps

Die Frage, die ich mir stelle, ist, ob ich das darf?! Mehr Sicherheit und ein Notrufknopf sprechen dafür. Wenn sie sich mal verläuft, kann sie mich kontaktieren und ich kann sie auf einer Karte orten. Aber ständige Kontrolle und Überwachung vermitteln ihr auch das Gefühl, dass ich ihr nicht vertraue. Vielleicht führt es auch dazu, dass sie mir nicht mehr Bescheid sagt, wo sie hingeht, weil ich es ja selbst sehen kann. Das würde ich auch nicht wollen. Oder sie wird zu waghalsig und übermütig, weil sie weiß, dass ich sie ja überall finden und zur Not abholen kann. Ich bin also hin- und hergerissen…

Habt ihr schon Erfahrungen mit den Geräten selbst und was halten eure Kinder davon? Nutzt ihr das Gerät täglich oder nur bspw. im Urlaub? Ich freue mich auf eure Erfahrungsberichte.

Eure Daniela

Merken