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Eigentlich sollte es der super entspannende Familienurlaub werden, die lang ersehnte Auszeit, endlich mal raus, sich verwöhnen lassen und die Füße hochlegen. So hatten wir unseren Urlaub auf Ibiza zumindest geplant. Und im Anschluss wollte ich euch einen Post über das Reisen mit kleinen Kindern schreiben und wie es ist, das erste Mal mit zwei Kindern zu fliegen. Stattdessen kann ich euch nun eher was über Feuerquallen, erste Hilfe und spanische Quacksalber erzählen.

Aber der Reihe nach…

Vor drei Wochen startete also unsere Traumreise in den Süden. Ich habe schon Wochen vorher To-Do-Listen geschrieben, Wäsche, Schuhe, Gummibärchen für den Flug, Sonnencreme usw. gekauft und alles fein säuberlich im Schlafzimmer gestapelt. Früher habe ich meine Mutter mit ihren tausend Listen etwas belächelt, aber wenn man plötzlich für vier Leute packen muss und das nicht erst am letzten Tag tun will, macht es durchaus schon Sinn. Und zum Schluss war trotzdem noch genug zu tun. Den Koffer habe ich noch zwei Mal umgepackt, damit auch alles reinpasst.

Das Reiseziel hatten wir unter anderem wegen der entspannten Flugzeiten mit knapp drei Stunden um kurz nach 10 gebucht. Ich hatte keine Lust, früh um 5 zu einem Flieger zu hetzen und zwei müde Kinder aus den Betten zu zerren. Unsere Große war mächtig aufgeregt und auch ein bisschen ängstlich. Abgesehen vom üblichen Stau auf allen Routen war die Anreise dann auch wirklich entspannt. Schnell die Koffer abgeben, durch die Sicherheitskontrolle und dann den Flughafen ein bisschen erkunden und Flugzeuge gucken.

Im Flieger durfte die Große natürlich am Fenster sitzen und hat sich während des Starts an meiner Hand festgeklammert. Unser Kleiner, mittlerweile schon 7 Monate alt, wurde mit einem extra Gurt an meinem Gurt auf meinem Schoß festgeschnallt. Um den Druckausgleich für ihn leichter zu machen, habe ich versucht ihn bei Start und Landung zu stillen. Ob es ihm was gebracht hat, weiß ich nicht, aber geweint hat er auch nicht und danach ist er gleich eingeschlafen.

Ibiza 2017

Zum ersten Mal haben wir einen richtigen Club-Urlaub gebucht, im Tui Magic Life, mit All-inclusive. Vorher hatte ich tausend Ideen, was ich alles von der Insel sehen wollte. Vielleicht ein Auto mieten, auf jeden Fall mal nach Ibiza-Stadt (Eivissa), zum Hippiemarkt, eine Wanderung über die Insel und eine Bootstour – von diesen Plänen habe ich mich ziemlich schnell verabschieden müssen. Zum einen weil es viel wärmer war als ursprünglich gedacht und wir auf gar keinen Fall in irgendeinem stickigen Auto oder Bus sitzen wollten. Und zum anderen weil die Große sowieso lieber im Pool schwimmen, tauchen und spielen wollte – jeden Tag, stundenlang. Für den Kleinen haben die Eindrücke auch so völlig ausgereicht und die ersten Tage war er etwas reizüberflutet. Da hat sich der Club-Charakter auf jeden Fall bewährt: jeder konnte essen, trinken und schlafen, wann er wollte. Hätten wir das alles selbst organisieren müssen, wäre es irgendwie anstrengender geworden.

Ibiza 2017

Zumindest wollte ich aber wenigstens ein Mal im Meer baden, auch wenn es noch ziemlich kalt war. Es kann ja nicht sein, dass wir ans Mittelmeer fliegen und dann nur im beheizten Pool schwimmen!?! Ich also ab zum Strand und rein ins Wasser, ganz langsam, weil wirklich kalt. Irgendwann hab ich mich dann reingestürzt und bin gefühlte 3 Meter weit geschwommen, als mir irgendwas im Wasser den Arm verbrannt hat. Auch wenn ich nichts gesehen habe, wusste ich sofort, dass es eine Feuerqualle war. In dem Moment gehen einem bruchstückhaft irgendwelche Berichte über anaphylaktische Schocks und ertrinkende Menschen durch den Kopf. Ich habe also nicht weiter überlegt oder geguckt, ich wollte nur noch an Land, so schnell wie möglich! Dabei möglichst nicht in Panik verfallen. Schnell die Sachen wieder einsammeln und dann bin ich zu den Rettungsschwimmern im Hotel. Mein Gedanke war, dass die sich auskennen und wissen, was zu tun ist. Leider war dem nicht so…

Ibiza 2017

Die Begegnung mit einer Feuerqualle fühlt sich so an als würde man sich ein heißes Bügeleisen eine halbe Stunde auf den Arm drücken. Und die haben mir erst einmal in Allerseelenruhe ein paar Eiswürfel geholt und meinen Arm gekühlt. Später habe ich dann ein bisschen im Internet recherchiert: das Problem bei Feuerquallen ist, dass nicht alle Nesseln mit dem Gift auf einmal platzen, sondern auf der Haut kleben bleiben. Bei Kontakt mit Süßwasser (ich sage nur, Eiswürfel…) platzen sie sofort und geben auch noch das restliche Gift ab. Großartig… Ab dem Zeitpunkt tat es auch richtig weh und wenn meine Große nicht mit besorgtem Gesichtsausdruck neben mir gestanden hätte, hätte ich mich wahrscheinlich heulend auf dem Fußboden zusammen gerollt.

(Wie genau man die Nesseln von der Haut bekommt, ist nicht ganz klar. Manche schwören auf Essig (in Kombination mit Brandwunden möchte ich das ehrlich gesagt nicht ausprobieren). Andere sagen, man soll Rasierschaum oder wenigstens Sand auf die Stelle machen, eintrocknen lassen und dann das Ganze vorsichtig abkratzen.)

Nachdem die Lifeguards mit mir fertig waren, bin ich zum Hotelarzt. Der hat sich dann meinen Arm angeschaut, mit Jod desinfiziert und mir zwei Spritzen reingejagt. Auch wenn es einige sprachliche Barrieren gab, hatte ich doch immer noch die Hoffnung, dass sie wussten, was sie tun.

Am nächsten Tag waren die Schmerzen auch tatsächlich schon fast weg, nur der Arm sah aus wie nach einem Autounfall, ganz rot und blau und dick geschwollen. Der Arzt hat mich trotzdem noch zwei Mal täglich zu sich in die Praxis bestellt und da dämmerte mir langsam, dass er mal schnell seine Kasse aufbessern wollte. Aber so lange es half, wollte ich mich auch nicht beschweren. Irgendwann kam der Zeitpunkt der Abrechnung und da bin ich fast vom Stuhl gefallen: für zwei Mal desinfizieren und ein paar Spritzen sollte ich sage und schreibe 680 Euro bezahlen. Sechshundertachtzig!!! Zum Glück hatten wir eine Auslandskrankenversicherung und die hat uns vorab eine Kreditkarte geschickt. Erst habe ich mich gewundert und dachte, die wollen uns nun auch noch irgendeine Karte aufschwatzen. Aber im Schadensfall meldet man sich bei der Versicherung und die lädt binnen 30 Minuten Geld auf die Karte. Dann kann man damit bezahlen. Das fand ich echt super cool, einfach, unbürokratisch, schnell.

Also zücke ich bei der Anrechnung beim Arzt diese Karte. Sofort fing er an, dass er leider keine Kreditkarten akzeptieren könne, weil die Abrechnung immer so lange dauere und er bräuchte Bargeld. Er könne mir aber zeigen, wo ein Geldautomat wäre und dann könnte ich das Geld gleich holen. Meine Einwände, dass ich mit so einer Karte sicherlich kein Bargeld bekommen würde, wurden gleich vom Tisch gewischt. Und ich dachte mir schließlich, probieren kann ich es ja mal. Wir also raus aus der Praxis, vor der noch Leute gewartet haben. Auf einmal standen wir vor seinem Auto! Erst da hab ich begriffen, dass der Automat im nächsten Ort ist. Trotz einiger Bauchschmerzen bin ich eingestiegen. Eigentlich hätte ich die Aktion an dieser Stelle abbrechen müssen, habe mich aber überreden lassen…

Am Geldautomaten gab es natürlich kein Bargeld von der Auslandskrankenversicherung. Logisch.

Zurück in der Praxis hat er dann noch verschiedene Onlineabbuchungen ausprobiert, aber auch das ging nicht. Letztlich hat die ganze Aktion länger gedauert als die Behandlungen an allen Tagen zusammen. Und spätestens jetzt war klar, dass er ein Halsabschneider war. Später habe ich dann noch einmal bei der Versicherung angerufen, dann wurde die Bargeldabhebung aktiviert und wir konnten das Geld tatsächlich in bar abheben.

Für mich stand fest, dass ich auf jeden Fall noch einmal zu einem deutschen Arzt gehen werde. Zumal mein Arm inzwischen ziemlich entzündet aussah.

Dummerweise sind wir an einem Freitagnachmittag wieder gelandet, so dass mir nur übrig blieb, in die Notaufnahme zu fahren. Ich hatte noch überlegt, ob ich wirklich wegen so einer “Kleinigkeit” ins Krankenhaus fahren muss, aber letztlich wollte ich auch nicht bis Montag warten. Da es an einem Freitagabend in der Notaufnahme auch etwas länger dauern kann, musste der Kleine auch noch mit. Mein Plan war aber, schnell rein, mir ein Antibiotikum holen und wieder nach Hause. Weit gefehlt…

Bei der Anmeldung konnte ein Arzt einen Blick auf meinen Arm werfen und der schaute ziemlich erschrocken und sagte so Sätze wie, er bräuchte noch die Kollegen aus der plastischen Chirurgie. WAS?! Wieso?

Ich wurde als Notfall sofort wieder aufgerufen aus dem vollen Wartezimmer und war als erste dran. Irgendwie besorgniserregend. Plötzlich schauten zwei Ärzte und mehrere Schwestern stirnrunzelnd auf meinen Arm. Inzwischen weiß ich, dass Feuerquallen Verbrennungen 2. bis 3. Grades verursachen können. Und geschieht das großflächig kommt der Körper alleine nicht dagegen an. Das verbrannte Gewebe muss entfernt werden. Sonst entzündet sich alles und führt irgendwann zu einer Blutvergiftung.

Dann ging alles Schlag auf Schlag. Ich soll mir Sachen bringen lassen, Tetanusspritze, Desinfektion, Blutabnehmen, OP in den nächsten 12 Stunden. Ich werde dazwischen geschoben. Die Ärzte und Schwestern waren alle sehr nett und ich bekam für den Kleinen und mich ein Doppelzimmer. Ich konnte ihn ja nicht von jetzt auf gleich abstillen und so durfte er mit mir im Krankenhaus bleiben. Bei der OP wurde die Wunde dann ordentlich gesäubert, Haut aus dem Oberschenkel entnommen und auf meinen Arm verpflanzt. Da ich ja noch stillen wollte, durfte und wollte ich keine Vollnarkose und habe mich während der ganzen Prozedur sehr nett mit der Anästhesistin unterhalten. Muss man auch nicht haben. Sie hat sich unglaublich viel Mühe gegeben, dass unser Gesprächsfaden nicht abriss. Ich fürchte aber, ich war nicht der beste Gesprächspartner. Und allen anderen Ärzten und Pflegern im Krankenhaus bin ich auch sehr dankbar, die waren so nett, hilfsbereit und verständnisvoll!

Eigentlich hätte ich nach der OP noch 6 Tage im Krankenhaus bleiben müssen. Aufgrund der besonderen Situation mit dem Baby durfte ich am 2. Tag gehen. Jetzt darf ich nur ein Jahr lang so einen Sexy Kompressionshandschuh tragen und sehe ein bisschen aus als hätte ich eine Prothese.

Und nun habe ich ein tolles Andenken an diesen Urlaub, auf das ich gern verzichtet hätte. Trotzdem war es schön und erholsam. Irgendwie anders als ich mir das vorgestellt hatte, aber wir hatten unseren Spaß auf Ibiza und haben die Zeit sehr genossen. Aber nächsten Jahr fahren wir nach Schweden. Sicherheitshalber…