Alkohol in der Schwangerschaft? – Ein Appell

So bald frau schwanger ist, wird sie von allen Seiten mit gut gemeinten Ratschlägen bedacht. Und jeder, aber auch jeder hat eine eigene Meinung zu diversen Themen. Dazu gehört auch die Frage: Alkohol in der Schwangerschaft und wenn ja, wie viel. Für mich stellt sich diese Frage gar nicht bzw. bekommt ein definitives NEIN! Nicht ein Schluck, auch kein kleiner. Doch ich war einigermaßen überrascht, wie viele aus dem Familien- und Freundeskreis eine sagen wir eher tolerante Einstellung zu dem Thema haben. Überraschend oft bekam ich tatsächlich Alkohol angeboten von Leuten und Bekannten, die wussten, dass ich schwanger bin. Da war die Freundin, die meinte, so eine Weinschorle im Sommer sei schon nicht so schlimm. Oder die Familienfeiern, bei der man mir in regelmäßigen Abständen ein halbes Gläschen Sekt anbot. Das hat schließlich noch keinem geschadet und die Kinder sind trotzdem groß geworden.

Mal ganz abgesehen davon, dass ich diese Pauschalargumente der Kinder, die es schließlich überlebt haben, nicht leiden kann. Denn schließlich weiß man ja nie, was aus den Kindern geworden wäre, wenn die Eltern auf Alkohol verzichtet hätten. Vielleicht wären sie Nobelpreisträger oder wenigstens Professor an einer Universität. Nur, weil sie selbstständig ihr Leben meistern und eine abgeschlossene Berufsausbildung haben, heißt das ja nicht, dass der Alkohol ihnen nicht geschadet hätte…

Zum Glück ist die Medizin heute ein gutes Stück weiter und man weiß, dass jeder Tropfen Alkohol in der Schwangerschaft schädlich sein kann. In ausgeprägten Fällen spricht man vom Fetalen Alkoholsyndrom (FAS), wobei es wohl etliche leichte Fälle gibt, bei denen es nie diagnostiziert wurde.

Das fetale Alkoholsyndrom

Je nachdem zu welchem Zeitpunkt der Schwangerschaft der Alkohol getrunken wird, können die Schädigungen von Organschäden bis zu kognitiven und verhaltensbezogenen Störungen führen. Im schlimmsten Fall (je nach Betrachtungsweise) führen die Schäden an den Organen schon während der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt des Kindes zum Tod. Die körperlichen Merkmale reichen von Minderwuchs, Untergewicht, mangelnder Muskelentwicklung bis zu Sprech- und Hörstörungen, Herzfehlern und Wirbelsäulenverkrümmungen. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Entwicklungsverzögerungen und Verhaltensstörungen. Diese können in Form von Lern- und Konzentrationsschwierigkeiten auftreten, Hyperaktivität, Epilepsie oder Aggressivität. Die Liste ist endlos lang…

Erschreckend finde ich, dass FAS die häufigste Ursache von geistigen Behinderungen darstellt und zwar doppelt so häufig wie das Down-Syndrom. Wie viele Mütter rennen in der Schwangerschaft von einer teuren Zusatzuntersuchung (wie Nackenfaltenmessung etc.) zur nächsten, um ja kein behindertes Kind zur Welt zu bringen. Und gleichzeitig können sie nicht auf das Glas Wein am Abend verzichten. FAS ist eine Krankheit, die einzig und allein von der Mutter verursacht wird. Und nur weil nicht jedes Glas Wein, Schäden beim Kind verursacht, nehmen fast 2/3 aller Frauen das Risiko in Kauf (laut einer Studie der Charité aus dem Jahr 2007).

Das Ergebnis ist, dass 0,6% aller Kinder mit Alkoholschäden zur Welt kommen – und das sind nur die offensichtlichen, die diagnostiziert werden. In der Dunkelziffer kann man wahrscheinlich von jedem 100. Kind sprechen. Diese Zahlen muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Jeder einzelne Fall wäre komplett zu vermeiden gewesen. Ganz einfach so, ohne aufwendige Medizin. Nur dadurch, dass die Mutter sich nicht von irgendwelchen gesellschaftlichen Zwängen mitreißen lässt und mehr Willensstärke bewiesen hätte.

Mein Appell an euch

Wenn ihr schwanger seid oder eine werdende Mutter im Familien- und Freundeskreis habt, dann passt ein bisschen auf euch und auf sie auf, gebt ihr die richtigen schlauen Ratschläge und vor allem, bietet ihr kein Gläschen in Ehren an. Seid stark und lasst euch nicht überreden. In der Schwangerschaft gilt absolutes, 100%-iges Alkoholverbot.

Und vielleicht könnt ihr andere ja auch überreden mit zu machen. Mein Mann zum Beispiel ist so nett und verzichtet bei uns zu Hause auf alkoholische Getränke so lange wie ich nichts trinken darf. Das macht es um einiges einfacher, wenn mir Sonntagabend niemand mit einem schönen Glas Rotwein gegenüber sitzt. 😀

Wer mehr zu dem Thema FAS wissen möchte, kann sich übrigens sehr gut und umfangreich auf Wikipedia informieren.

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