Kinder im Mittelpunkt

In diesem Sommer haben wir Urlaub auf dem Schulbauernhof in Helle gemacht. Prädikat: sehr schön und empfehlenswert! Die Kinder haben viel gelernt und durften überall mitmachen: beim Schweine füttern, Ställe ausmisten oder Eier einsammeln. Und die Umgebung von Eckernförde ist auch sehr schön zwischen Ostsee und Schlei und lädt zu vielen Ausflügen ein.

Doch darum soll es in diesem Blogpost nicht gehen. Zusammen mit uns haben dort noch weitere Familien Urlaub gemacht. Unter anderem eine junge Mutter mit zwei kleinen Kindern, einem fast 4-jährigen Mädchen und einem 2-jährigen Jungen. Da die Eltern gerade in Trennung leben, war der Vater nicht mit dabei. Die Kinder waren gelinde gesagt anstrengend und haben in einer Tour ihre Umwelt, aber vor allem ihre Mutter terrorisiert. Wegen jeder Kleinigkeit fingen sie an zu schreien, sie beschimpften ihre Mutter und vor allem die Große wurde auch regelrecht gewalttätig gegen andere Kinder. Kratzen, Beißen, Haare ausreißen – das volle Programm.

In der schwierigen Situation der Trennung war das Verhalten der Kinder sicherlich irgendwie nachvollziehbar. Am bemerkenswertesten fand ich aber das Verhalten der Mutter: sie war die Ruhe in Person!! Sie wurde nie laut, es gab nie wirklich ernsthafte Konsequenzen für die Kinder. Egal, was sie gemacht haben, sie wurden immer auf den Schoß genommen und in einer Engelsgeduld wurde ihnen erklärt, warum dieses oder jenes Verhalten nicht in Ordnung war. Die junge Mutter, die sich gerade von ihrem Mann getrennt hatte, der aber immer noch in der gemeinsamen Wohnung wohnte, der sich weder um die Kinder geschweige denn um den Unterhalt gekümmert hat, versuchte nun mit Liebe und Verständnis zwei Elternteile zu ersetzen und hat sich vollständig für ihre Kinder aufgeopfert.

Und während ich mehr oder weniger auf ihren Zusammenbruch gewartet habe, ging mir eine Frage nicht aus dem Kopf. Ihre Stärke und Geduld ist bewundernswert und nobel, aber ist ihr Verhalten auch richtig?! Sicherlich brauchen die Kinder in dieser schwierigen Familiensituation jemanden, der ihnen unvoreingenommen Liebe und Verständnis entgegen bringt. Aber auch jede Mutter so wie jeder Erwachsene hat irgendwo seine Grenzen. Und bei aller Stärke dieser junger Frau hatte ich immer das Gefühl, dass der Burnout vorprogrammiert ist. Sie ist selbst im Urlaub jeden Tag über ihre Grenzen hinaus gegangen, in jeder Hinsicht, emotional und körperlich. Ich möchte mir nicht den Alltag dieser kleinen Familie mit Vollzeitjob und Kindergartenstress vorstellen…

Auf lange Sicht hilft es den Kindern bestimmt nicht, wenn sie eines Tages aus heiterem Himmel zusammenbricht und dann auch nicht mehr für ihre Kinder sorgen kann. Auch für Mütter ist es wichtig, mit ihren Kräften hauszuhalten und ihre Grenzen deutlich zu machen. D.h. für mich ist es völlig legitim, auch von meinen Kindern Pausen für mich einzufordern. Einfach mal ruhig und klar verständlich zu machen, dass ICH jetzt eine Auszeit brauche, einen Moment für mich, wo ich meinen Akku wieder aufladen kann.

Das halte ich auch auf lange Sicht für sehr sinnvoll. Denn was ist denn die unterschwellige Botschaft an die Kinder: dass man sich immer für andere aufopfern muss?!, dass die eigenen Grenzen und Bedürfnisse nichts wert sind?!, dass jeder andere mit einem machen und umgehen kann wie er möchte?!, oder dass es völlig in Ordnung ist, von anderen alles abzuverlangen und sie zu schikanieren?!

Beide Tendenzen sind fragwürdig. Für meine Kinder wünsche ich mir, dass sie selbstbewusste Menschen werden. Und das meine ich im wortwörtlichen Sinne: sie sollen sich ihrer Selbst bewusst sein, ihrer Qualitäten und Stärken, aber auch ihrer Grenzen und Schwächen. Sie sollen sich von niemandem auf der Welt alles gefallen lassen, von keinem Partner, Chef oder sonstwem und sie sollen in der Lage sein, sich selbst zu pflegen und um Hilfe zu bitten, wenn es nötig ist.

Aber wenn wir unseren Kindern das nicht vorleben, von wem sollen sie es dann lernen? Selbstachtung und Selbstbewusstsein sind kaum Eigenschaften, die man als Erwachsener sich selbst beibringen kann. Also ist es wichtig, bei aller Liebe und den schwierigen Umständen, dass wir es unseren Kindern zeigen. Auch wenn das bedeutet, dass sie selbst einmal zurückstecken müssen.

Das ist zumindest meine Meinung. Wie seht ihr das? Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht, selbst oder im Freundeskreis?

2 Kommentare
  1. Nordperle
    Nordperle sagte:

    Hallo Daniela, ich bin gerade zur Mutter Kind Kur- hier geht es zum einen darum Kindern Grenzen zu setzen- konsequent und ohne zu drohen. Aber auch sich selbst wahr zu nehmen! Ich war gestern das erste mal nach 30 Jahren nackt in der Ostsee baden- es war wirklich einzigartig- wie frei man sch fühlt und wie ein kleines Kind in den Wellen zu toben- und als wichtigste Zeit für sich selbst- denn einer Mutter ist auch ein Mensch!

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  2. Daniela Janke
    Daniela Janke sagte:

    Dann bist du ja auf dem richtigen Weg und ich wünsche euch eine schöne Zeit bei der Kur. Hoffentlich könnt ihr die neuen Erkenntnisse nachher auch im Alltag anwenden. LG Daniela

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